Märkisches Viertel wird noch enger – GESOBAU plant Wohnungen und Kita auf “Bettina-Brache”

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„Verdichtung“ heißt das Reizwort: Viele Menschen in und um das Märkische Viertel finden ihr Quartier bereits jetzt zu eng bebaut, sorgen sich um strukturelle Probleme – bestehende oder künftige. Nun soll ein weiterer großer Bau am Senftenberger Ring dazu kommen: Auf der so genannten „Bettina-Brache“, dem Gelände der Ende der 90er wegen Asbestbelastung abgerissenen Bettina-von-Arnim-Schule, sollen Wohnungen und eine Kita hochgezogen werden. Das geht aus der aktuellen Antwort des Senats auf eine Anfrage von Michael Dietmann hervor. Der CDU-Mann sitzt für das Märkische Viertel und Lübars im Abgeordnetenhaus. KIEZEKATZE hat mit ihm über die Situation gesprochen.

Situation verschärft – Bausenatorin sucht “händeringend” Fläche

KK: Herr Dietmann, hat Sie die Antwort des Senats mit den recht konkreten Neuigkeiten zur Bettina-Brache überrascht?

MD: Nein, nicht wirklich. Bausenatorin Lompscher sucht ja stadtweit händeringend nach Bebauungsflächen und setzt auch stark auf städtische Wohnungsbaugesellschaften. Daher kommt es insgesamt auf immer mehr Grundstücken zu konkreten Plänen. Es entsteht hier wirklich ein hoher Druck, gerade auch bezahlbaren Wohnraum zu generieren – und das betrifft eben auch die Eigentümerin der Bettina-Brache, die GESOBAU. In diesem Fall hat der Bezirk das Gelände schon seinerzeit, Ende der 90er Jahre, mit dem ausdrücklichen Hinweis an die Gesellschaft verkauft, dass dort einmal Wohnungsbau stattfinden soll. Damals gab es noch eher ein Überangebot – kaum vorstellbar heute! Erst in den letzten Jahren hat sich die Situation derart verschärft, dass man dies nun wohl in Angriff nehmen will.

Ganzheitliche, durchdachte Herangehensweise wichtig

KK: Und was sagen Sie zu den Plänen: Wohnungen und eine Kita für 120 Kinder?

MD: Ich habe den Eindruck, durch die Integration einer Kita wird hier offenbar vernünftig und ganzheitlich gedacht. Das ist bei einem Kiez wie dem Märkischen Viertel besonders wichtig, denn einfach nur mehr Wohnraum zu schaffen, die Fläche blindlings zuzubauen, hilft nicht. Das verkraftet das Gebiet nicht. Wir haben es jetzt schon z. B. mit einer Unterversorgung an Schulfläche zu tun. Und im Sozialatlas ist das MV bereits auffällig im Hinblick auf sozial-strukturelle Probleme.

Man muss bei solchen Vorhaben immer sehen, dass auch so etwas wie die Parkplatzsituation, der ÖPNV etc. berücksichtigt werden müssen. Aktuell ist die Lage zu handlen, auch wenn wir schon einen hohen Grad an Verdichtung haben und es bei Bauprojekten in der Vergangenheit Beschwerden gab – etwa zur Verschattung, Verengung oder eben Parkplatznot. So etwas würde ich bei der Bettina-Brache jedoch aufgrund der schon genannten offenbar durchdachten Herangehensweise nicht unbedingt erwarten.

Antworten zu ALLEN infrage kommenden Flächen im MV erwartet

KK: Aus welchem Grund haben Sie eigentlich Ihre Anfrage gestellt? Hatten Sie einen „siebten Sinn“, was die Bettina-Brache angeht?

MD: Nun, meine Anfrage bezog sich gar nicht explizit auf dieses Projekt, sondern ich wollte vom Senat wissen, ob das Märkische Viertel generell weiter verdichtet werden soll. Die nur in dieser einen Hinsicht konkrete Antwort ist interessant, aber auch etwas merkwürdig angesichts dieser Tatsache. Ich habe gleich am nächsten Tag deshalb eine weitere Anfrage gestellt – und dabei nun wirklich jede Freifläche einzeln gelistet mit der Aufforderung, jeweils die Pläne für die kommende Zeit zu benennen. Dazu muss man wissen, dass der GESOBAU so ziemlich alle unbebauten Grundstücke vor Ort gehören.

Bezahlbarer Wohnraum geplant

KK: Es gibt vereinzelt Gerüchte, eine Freifläche wie die Bettina-Brache würde zugunsten von Wohnungen für Asylbewerber, so genannte MUFs oder TempoHomes herangezogen. Was ist dazu zu sagen?

MD: So etwas ist reine Panikmache und steht absolut nicht zur Debatte! Auch teurere Wohnungen zu erstellen, ist aus verschiedenen Gründen von vornherein keine Option; die würde man ohnehin gar nicht los. Kurz: Es ist bezahlbarer Wohnbau geplant – dazu sind städtische Gesellschaften wie die GESOBAU ja sogar verpflichtet.

KK: Vielen Dank, Michael Dietmann, für das Interview.

Was im Übrigen die konkreten Planungs- und Baumaßnahmen am Senftenberger Ring angeht, ist noch nichts bekannt – weder, wie viele Wohnungen auf der Brachfläche genau entstehen sollen noch ein Zeitplan. Die KIEZEKATZE-Redaktion bleibt aber natürlich für Sie dran am Thema!

1 Kommentar

  1. hingucker auf

    Soviel ich weiß wird in Heiligensee bei der Gesobau auch verdichtet. Wir haben hier in der Heiligenseestr noch Glück ! Wir haben Parkplätze, in der Ruppiner wird es dagegen eng.

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